Claude for Teachers ist da. Und wir haben drei Probleme, die zusammen ein großes ergeben.
Anthropic hat "Claude for Teachers" vorgestellt. Erstmal nur für die USA. Dort soll es für Lehrkräfte von der Grundschule bis zur Oberstufe fürs erste Jahr kostenlos sein. Neben den Chatbot-Funktionen wird es Agenten zur Lernstandserhebungen, Bibliotheken mit pädagogischen Skills und vieles mehr geben - das alles abgestimmt auf die Standards und Lehrpläne der Bundesstaaten. Und die Lehrergewerkschaft hilft bei den Datenschutzstandards.

Wenn ich das mit Blick auf Deutschland lese, sehe ich drei Entwicklungen, die ineinandergreifen.
Drei Probleme, die ineinandergreifen
Erstens: Claude, ChatGPT und Co. sind zu groß, zu bekannt, zu mächtig. Fast alle Schüler und Studenten nutzen sie. Speziell für Schule und Studium entwickelte KI-Tools fristen ein Nischendasein. Das Muster ist bekannt. Schon vor KI stellten Bildungsforscher fest: "Explizit für Lehr- und Lernzwecke entwickelte Tools […] werden von den meisten Studierenden überwiegend nie benutzt."
Zweitens: Der Staat, d.h. die Bildungsbehörden, Schulen und Hochschulen sind zu langsam. Und wenn sie was liefern, überzeugt es oft nicht. (Siehe die Schul-KI AIS.chat). An den Hochschulen ist es ähnlich. Zwar bieten Dutzende Unis das datenschutzkonforme HAWKI an, aber durch meine Workshops und Gespräche mit Studenten und Dozenten sowie Einblicke in Nutzerzahlen weiß ich, dass HAWKI kaum Verwendung findet und auch kaum bekannt ist, obwohl es nicht schlecht ist. Aber es fehlen Mittel für eine großangelegte Entwicklung, Marketing usw. - und deshalb bleibt es dabei.
Die Folge von Verzögerung, fehlender Funktionen und fehlender Bekanntheit ist: Schatten-KI. Schüler, Lehrer, Studenten und Dozenten nutzen, was sie kennen und was funktioniert. Inklusive der Daten, die dabei mitwandern.
Drittens: Deutsche Anbieter, die es besser machen, werden ausgebremst. (Man lese die Texte von Christian Füller dazu, z.B. hier auf LinkedIn). Die Behörden haben lieber die Schul-KI AIS.chat entwickelt, die mal telli hieß, mit laaaanger Verzögerung auf den Markt kam und selbst dann weniger bot als die bekannten KI-Tools. Dabei gibt es für Schulen fobizz, FelloFish u.a. Der Staat ist dort Kunde wie Konkurrent. Lehrer und Anbieter protestieren, dass die Tools gegen die "Behörden-Schul-KI" ausgetauscht werden sollen, das sei Wettbewerbsverzerrung.
Wer am Ende verliert
Am Ende werden alle verlieren, wenn Claude for Teachers und Co. nach Deutschland kommen. Die Angebote der Behörden, Schulen und Unis, weil kaum jemand sie nutzt. Die KI-Start-ups, weil sie zwischen Staat und Big Tech zerrieben werden. Und die Bildungseinrichtungen, weil die Infrastruktur woanders gebaut wird.
Wir verlieren wegen unserer Staatsgläubigkeit, unseres Sicherheits- und Beamtendenkens, unserer "German Angst", die mit dem chaotisch anmutenden Versuch-und-Irrtum-Prinzip der KI-Entwicklung nicht umgehen kann und am liebsten eine Verwaltungsvorschrift erlassen würde, wie die Sache zu laufen hat. Und genau deshalb läuft sie gegen uns. Und an uns vorbei.
Die deutsche Staatsgläubigkeit, das Beamtendenken und die "German Angst" sind Gift für einen fundierten, freien und spielerischen Umgang mit KI.


