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Deutschland ist Weltmeister in der Informationskompetenz!

13. Juli 2026 · 480 Wörter · Danny Walther

Fußball-WM hin, Trainerwechsel her: in Sachen Informationskompetenz sind die Deutschen spitze. Denn nirgendwo sonst klicken Google-Nutzer so häufig auf die Quellen ihrer Suchergebnisse. Im internationalen Vergleich sind wir das Land mit der höchsten Klickrate!

Klingt gut, ist aber alles andere als das. Denn die höchste Klickrate bedeutet, dass gerade mal 37,9% der Nutzer eine Quelle anklicken. Heißt im Umkehrschluss: in Deutschland enden 62,1% aller Google-Suchen, ohne dass auch nur eine einzige Quelle aufgerufen wird. In den USA sind es 68%, in GB 69,5% (Hier der Link zu den Daten).

Infografik von Similarweb und SparkToro „In 2026, what happens after a Google search in Germany?“: Nach einer Google-Suche in Deutschland folgt in 37,9 % der Fälle ein Klick (75,7 % davon auf bezahlte und organische Ergebnisse, also das offene Web, 24,3 % auf Google-eigene Angebote wie AI Mode, YouTube oder Maps), in 39,6 % nichts (die Suchsitzung endet) und in 22,5 % eine weitere Suche. Zusammen sind das 62,1 % Zero-Click-Suchen; von 1.000 deutschen Google-Suchen führen 287 Klicks ins offene Web. Datenbasis: Similarweb-Panel, Januar bis April 2026.
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Mit anderen Worten: Wir sind nicht Sehende unter Suchenden, wir sind Einäugige unter Blinden.

Bei ChatGPT sinkt die Klickrate fast auf null

Noch drastischer sind die Werte bei ChatGPT: Geleakte Interaktionsdaten weisen eine durchschnittliche Klickrate von 0,7% auf die verlinkten Quellen aus ( Link).

Die Zahlen zeigen, wie sehr KI den Umgang mit Informationen verändert hat. Vor KI begann eine Suche mit Schlagworten und führte zu Treffern und Links, die angeklickt werden mussten, wenn man eine Antwort haben wollte. Heute beginnt die Suche mit einem Prompt, und die Antwort folgt auf dem Fuß. Ein weiterer Klick scheint oft unnötig. Das hat seinen Grund, denn die Antworten der KI wirken nicht wie der Beginn einer Suche, sondern wie ihr Ende. Die sprachliche Kohärenz der KI-Zusammenfassung erweckt den Eindruck von Glaubwürdigkeit, was die Tendenz, die Ergebnisse ungeprüft zu übernehmen, weiter befeuert.

Es fehlt die produktive Reibung

Was bei alledem fehlt, ist die produktive Irritation, die für jede echte Bildung notwendige Reibung, der aus dem Scheitern erwachsende Antrieb, es besser zu machen. Denn ein Scheitern ist bei einer KI-Suche im Grunde unmöglich. Selbst der lausigste Prompt liefert noch ein wohlklingendes Ergebnis.

Es wird Zeit, dagegen etwas zu tun und wieder rauer, roher und unbequemer zu werden. Das heißt: Trotz bzw. gerade wegen der KI die alten Recherche-Techniken lernen: kontrollierte Fachbegriffe, Citation Tracking, Datenbank-Wissen. Und dann die KI dazu nehmen. Rein in die Tools und testen, testen, testen! Mit allen Verwerfungen, Enttäuschungen und Unklarheiten, die das mit sich bringt. Nur so wird aus "repair literacy" echte KI-Bildung.

In meinen Workshops gebe ich dafür den Rahmen, zeige Möglichkeiten und helfe, KI praxisnah und wissenschaftlich fundiert in Studium, Lehre & Forschung zu integrieren. Denn ich möchte, dass Studierende und Lehrende bei KI das machen, wozu Hochschulen da sind: zum Erforschen und Erproben von Wissen, trial and error, ein offener Raum für Experimente, wo Scheitern keinen Verlust, sondern einen Gewinn an Erkenntnis bedeutet.

Wer tiefer einsteigen will: Ende Juli erscheint im Hochschulforum Digitalisierung ein mit umfangreichen Daten und weiteren Thesen versehener Debattenbeitrag von mir zum Thema "Recherche- und Informationskompetenz an Hochschulen im Angesicht von KI".

Das Ziel einer Suche ist Zufriedenheit - und die ist leicht herzustellen. Genau das aber ist das Problem.