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KI ändert nicht nur das wissenschaftliche Arbeiten, sondern auch die wissenschaftlichen Arbeiten.

28. Juni 2026 · 402 Wörter · Danny Walther

Ich bereite gerade meine Visualisierungs-Workshops für Studierende und Forschende vor, und dabei ist mir eine Frage gekommen: Warum stellen wir den Stand der Forschung noch immer primär durch Text dar? Warum nutzen wir dazu nicht die Möglichkeiten, die Visualisierungen und KI uns bieten?

Meine Vermutung: Weil die Darstellung des Forschungsstandes im wissenschaftlichen Selbstverständnis nicht nur Abbild, sondern Argument ist. Die Darlegung soll nicht zeigen, was es alles gibt, sondern eine Bewegung vollziehen: von der Breite des Feldes hin zu genau der Lücke, die die eigene Arbeit ausfüllen soll. Die Argumentation ist linear und in gewisser Weise auch rhetorisch, d.h. sie lebt von Abwägungen, Einschränkungen usw. Eine Visualisierung würde das nur schwer darstellen können. Eine Linie sagt „hängt zusammen", aber nicht wie und wie sehr bzw. wie strittig.

Dazu kommt, dass das Schreiben des Forschungsstands ein Ziel ist, ein Akt der Wissensvertiefung und Reflektion, also genau das, was erreicht werden soll(te), auch wenn es zunehmend an KI ausgelagert wird. Eine Visualisierung könnte diese Denkarbeit teilweise verbergen, denn eine schöne Mindmap gibt's auch ohne Verständnis der Lage.

Warum wir Visualisierung zu wenig nutzen

Trotzdem würde ich sagen: Wir nutzen Visualisierung zu wenig. Konventionen plus fehlendes Werkzeug-Wissen führen dazu. Dabei ist KI in vielen Schritten der wissenschaftlichen Arbeit längst fest etabliert: KI-Tools fassen Studien und Ideen in Form von Diagrammen und Mindmaps zusammen, erstellen Forschungslandkarten, visualisieren alle Arten von Daten und schaffen publikationsreife Abbildungen zu jedem beliebigen Thema. Gerade letzteres zeigt sich immer mehr in den Papers.

Aber wenn wir über den Stand der Forschung und die Zusammenhänge von Autoren und Studien reden, werden die Bilder in Text zurückübersetzt. Da gewinnt man zwar manches (Denkvermögen, Verständnis), aber da geht aber auch einiges - wieder - verloren (Übersicht, neue Einblicke).

Text und Bild: unterschiedliche Stärken

Wir brauchen also beides, denn Texte können viel, was Bilder kaum können: Abwägen, Konditionalitäten vermitteln, auf die Lücke hinarbeiten und sie begründen.

Und Visualisierungen können viel, wozu sich Texte schlecht eignen: Strukturen zeigen, Positionen clustern, Gleichzeitigkeit vermitteln, Überblick über ein Feld geben, Zusammenhänge schnell sichtbar machen.

Ich habe deshalb KI gerade mal diesen Blog durchrastern und clustern lassen und fix mit Mermaid-Code visualisiert. Das hier ist das Ergebnis. Ach ja, meine Visualisierungs-Workshops kommen in der Grafik nicht vor. Ich habe nämlich nur nach einer Übersicht zum Thema Recherche gefragt. Aber da scheint das Thema auch auf, nämlich wenn es darum geht, Forschungszusammenhänge zu rekonstruieren und zu visualisieren. Recherche und Visualisierung hängen also eng zusammen. Aber dazu wird es bald ein eigenes Workshop-Angebot geben :)

Mindmap „KI-gestützte wissenschaftliche Recherche“ mit sechs Ästen: Rolle der KI (Recherche beschleunigen, nicht ersetzen; Literatur finden, strukturieren und zusammenfassen; übersetzen, extrahieren, synthetisieren und analysieren), Wissenschaftliche Einordnung (Widersprüche in Daten finden, Forschungslücken identifizieren; Forschungszusammenhänge rekonstruieren und visualisieren; Citation Tracking und Wissensgraphen nutzen), Methodik und Kompetenz (Recherche als systematischen Workflow verstehen; KI-Tools praktisch testen, Datengrundlagen und Wirkweisen verstehen und Bias erkennen; Mängel der Informationskompetenz nicht mit KI überlagern), Recherchebasis (Fachbegriffe, Synonyme und Thesauri; Fragestellungen und Prompts präzise entwickeln; Suchstrategien systematisch planen), Quellenlandschaft (Fachdatenbanken mit und ohne KI, klassische Suchsysteme mit KI-Tools verbinden, Repositorien und Preprints einbeziehen) und Qualitätskontrolle (Sykophanzie und „lost in the middle“ erkennen, Aussagen der KI in den Quellen überprüfen, Halluzinationen automatisiert erkennen).
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