Wie Mindset-Mumpitz die Schönheit der Drecksarbeit KI-lled.
Vielleicht hat sich ja was im Algorithmus geändert oder meine Augen haben sich einen neuen Filter gekauft, jedenfalls lese ich überall nur noch "KI bedeutet Führung". Dabei weiß jeder, dass das Mindset-Mumpitz ist. Leadership-Larifari. Development-Dummdideleien. Nennt's wie ihr wollt.
Im Grunde ist die Sache klar: Die Elite jedes Berufs gewinnt unter ihresgleichen Anerkennung, indem sie sich von praktischer Arbeit distanziert. Genau das machen auch die Leadership-KI-Coaches. Sie distanzieren sich von Tools, Datenarbeit und hands-on Training und verkaufen lieber "Führungsstrategien". Warum? Nicht weil das der effektivste Weg zur KI-Implementierung ist, sondern weil da die fetten Verträge sind.
Führung ist nicht der Hebel. Das zeigen die ersten Meta-Analysen zu KI genau, z.B. hier.
Führung ist zweitrangig. Und oft nur drittklassig. Normalerweise würde ich da alle Viere gerade sein lassen und meine fünf Finger nicht zu den Tasten bewegen. Aber inzwischen schießt die heiße Luft aus der Berater- und die Wissenschaftswelt ein. Dort aber sollte der kühle Verstand regieren.

Prototypen entstehen Bottom-up
Ich meine, Prototypen entstehen Bottom-up. Top-down entstehen Strategiepapiere. Aber davon haben wir schon viel zu viele. Niemand liest den Mist. Das ist totes Papier. Alles auf Leitungsebene produziert. Nichts davon hilft in der Praxis. Weil die Praxis dreckig, widersprüchlich und kleinteilig ist. Die Papiere dagegen sind sauber, klar und großspurig. Abstraktionen ins Nichts.
Ich sehe das jedenfalls so: Wenn man will, dass KI funktioniert, muss man zusammen mit den Leuten die Drecksarbeit machen. Muss alles prüfen und das Beste behalten.
Wie ich das in meinen Workshops umsetze
Für jemand wie mich, der mit Studierenden daran arbeitet, KI beim Lernen sinnvoll zu nutzen und mit Wissenschaftlern überlegt, wie sich mit KI Forschung neu modellieren lässt, heißt das: mir die Themen genau anschauen, tief in die Materie eintauchen und erst dann daraus einen Workshop bauen. Sich fragen: Welche KI-Tools helfen denen wirklich? Was genau brauchen die für Recherche, statistische Analysen und Visualisierung? Und dann: live probieren.
Von mir aus auch die KI-Detektoren. Die funktionieren zwar nicht, aber das müssen die Leute selber sehen. Nur so erkennen sie, dass ihr Einsatz keine Lösung ist. Weil sie falsch ausschlagen. Und auch nicht rechtssicher sind. Stattdessen müssen wir an die Lehr- und Prüfungsformen ran. Alle zusammen. Da führt keiner. Das Puzzle setzt sich nur aus Einzelteilen zusammen. Da gibt's vorher noch nicht mal ein Bild, wie's später aussehen soll.
Das ist gut so. Neue Techniken scheitern nicht am Modell, am Mindset oder an anderen Mondsüchtigkeiten. Das Große scheitert immer am Kleinen. Weil: „Everyone wants to do the model work, not the data work.“
Wobei: das stimmt nicht ganz. Ich mache diese Arbeit gern. Und viele andere auch. Aber es fehlt an Zeit, Raum und Geld. Das steckt nämlich alles in den Leadership-Luftnummern. Deshalb sind die auch so aufgebläht.
Bildquelle: Freepik
Wir haben zu viele Strategiepapiere, Konzepte, Leitlinien. Das ist totes Papier. Alles auf Leitungsebene produziert. Nichts davon hilft in der Praxis.


