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Politische Entscheidungen zum Thema KI und Bildung beruhen oft auf Vermutungen, Wunschdenken und - schlecht gemachten Studien.

13. Mai 2026 · 333 Wörter · Danny Walther

Fangen wir am Ende an: am 22. April wurde die wohl einflussreichste Metastudie zum Thema KI und Lernen zurückgezogen. Es handelt sich um Wang & Fan: The effect of ChatGPT on students’ learning performance, learning perception, and higher-order thinking: insights from a meta-analysis. ( Link)

Das Paper wurde 2025 in den "Humanities and Social Sciences Communications" veröffentlicht und seitdem rauf und runter zitiert. Allein bei Google Scholar sind über 500 Zitationen vermerkt.

Die Metastudie von Wang & Fan untersuchte den Einfluss von ChatGPT auf die Lernleistung, Lernwahrnehmung und das höhere Denken von Schülern bzw. Studierenden anhand einer Analyse von 51 (mehr oder weniger) experimentellen Studien von 2022 bis 2025.

Ziel war es herauszufinden, ob ChatGPT tatsächlich positive Effekte auf Lernprozesse besitzt und unter welchen Bedingungen diese besonders stark auftreten. Laut Wang & Fan lieferte ChatGPT einen "large positive impact" auf Lernleistung und moderate Effekte auf Lernwahrnehmung und höheres Denkvermögen.

Screenshot der Nature-Seite zu „RETRACTED ARTICLE: The effect of ChatGPT on students’ learning performance, learning perception, and higher-order thinking: insights from a meta-analysis“ von Jin Wang und Wenxiang Fan (Humanities and Social Sciences Communications, 2025) mit dem Hinweis „This article was retracted on 22 April 2026“.
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Warum die Rücknahme nicht überraschte

Warum die Studie zurückgezogen wurde, geht aus dem dürren Drei-Zeiler, der jetzt auf nature.com veröffentlicht wurde, nicht hervor. ( Link)

ABER: Überraschend war die Rücknahme des Papers nicht. Zumindest nicht, wenn man sich die Forschung genauer angeschaut hatte.

Die Meta-Meta-Analyse von Bartoš et al.

František Bartoš et al. hatten nämlich im Januar 2026 insgesamt 67 solcher Meta-Analysen in Form einer Meta-Meta-Analyse neu ausgewertet. ( Link)

Ich hatte damals darüber berichtet. ( Link)

Der Befund von Bartoš et al.: Die Effekte der Meta-Studien sind verzerrt, weil die verwendeten Methoden nicht passend waren, weil Berichte über Effektstärken und moderierende Variablen fehlten und weil positive Ergebnisse generell häufiger eingereicht und häufiger zitiert werden.

Wang & Fan hatten Bartoš et al. dabei explizit im Blick, sprachen von einer möglichen Publikationsbias und suboptimalen methodischen Entscheidungen, die die berichteten Effekte erheblich aufgebläht haben dürften.

Mit anderen Worten: Wir haben keine wirklich verlässlichen Daten zum Einfluss von KI auf Bildungs- und Lernprozesse. Dafür haben wir umso mehr bildungspolitische Entscheidungen auf Basis von Vermutungen und Wunschdenken. Auf der einen Seite Horrorstories, auf der anderen Seite Heilsgeschichten. Und dazwischen eine Realität, die niemand so richtig kennt oder wahrhaben will.