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Schaut man auf die Studienlage zu KI, wird jeden Tag eine neue Sau durchs digitale Dorf getrieben. Einen Überblick hat schon längst keiner mehr.

3. August 2026 · 439 Wörter · Danny Walther

Selbst zu Unterthemen wie "Kompetenzverlust durch KI" ist die Zahl der Studien inzwischen so groß, dass keiner mehr durchsieht. Also wird der Horizont auf nationale Befunde, bekannte Autoren und vielzitierte Studien verengt. Es ist eine Ironie unserer Gegenwart, dass wir von Bias in Trainingsdaten reden, aber kaum von den Bias, die die Wissenschaft jeden Tag produziert, um eine Ordnung ins System zu bekommen, die ebenso fiktiv wie wirkmächtig ist.

Und so geht's dahin: Belege und Gegenbelege wechseln sich ab, Meta-Analysen werden in einem Ausmaß und einer Geschwindigkeit produziert, dass selbst KI-Agenten Kopfschmerzen bekommen, und wer was auf sich hält (und die Kraut-und-Rüben-Methoden der anderen nicht länger erträgt), fängt an, Meta-Meta-Analysen zu schreiben.

Was wieder mal zeigt: KI treibt alles zur Abstraktion. Die Gewinne sind mächtig. Aber es geht - so fürchte ich - auch viel von dem verloren, was Bildung und Wissenschaft ausmacht...

Was beim Zusammenfassen verloren geht

Was mir fehlt, ist Form und Dramaturgie: alles Zusammengefasste klingt gleich, ist nüchtern, sachlich und damit - saulangweilig. Die AIsepsis findet sich auch auf Ebene der Rezeption. Denn was KI hier generativ wegrasiert, ist das Sich-Abarbeiten an einem Text, samt des "Ja, aber..." und des "Nein, auch wenn...", das damit einhergeht.

Auch die Fußnoten verschwinden. Dabei sind sie der Ort, an dem eine Behauptung ihre Adresse bekommt und wo zugleich angegeben wird, unter welchen Bedingungen der Bewohner die Tür aufmacht, d.h. wann eine Aussage gilt und wann nicht. Das aber ist die Voraussetzung für das "Ja, aber..." und das "Nein, auch wenn..."

Gewiss, die Entwicklung geht schon lange in diese Richtung. Es ist der Preis für den Sieg des naturwissenschaftlichen Formats. Doch KI kennt diesen Preis nicht mal mehr. Sie hat schlichtweg keinen Platz für Fußnoten. Kohärenz siegt. Fußnoten würden nur Lücken in die frisch generierten Routinen zimmern, denn sie sind der Haken unter dem Text, an dem sich der Widerspruch festmacht, wo er Halt findet und sich ins Epistemische bohrt.

KI-Zusammenfassungen wissen davon nichts. Es sind "totgeborene Sätze". Verdichtungen, an denen das Gehirn keine Schramme findet, an deren feinen Furchen es sich - und die Schramme gleich mit - aufreiben kann, um etwas zu säen. Einen Gedanken vielleicht.

Dafür werden Abstracts und Schlussfolgerungen immer dicker, dichter, undurchdringlicher. Man braucht zunehmend KI, um sie zu verstehen. Und KI liebt sie, denn sie sind nicht "lost in the middle".

Lost sind nur wir. Oder sagen wir, jener Teil von uns, der erkennt, dass wir durch KI eine Form der Unmittelbarkeit verlieren: etwas Rauhes, Rohes, Randständiges gar.

Und nun? Nichts. Diese Gedanken hatten keinen Anlass, zitieren keine Studien, genügen sich selbst. Es war und ist nur ein Unbehagen in mir. Es ist meine Reibungsfläche für alles, was KImmt

Sonnenuntergang über einem See: Die tiefstehende Sonne spiegelt sich in einer gelb-orangen Lichtbahn auf dem Wasser, davor die Silhouette einer Person auf einem Stand-up-Paddleboard, im Hintergrund ein dunkler Uferstreifen.

Die Gewinne, die die Wissenschaft durch KI erlebt, sind gewaltig. Doch die Verluste reichen tief. Vieles werden wir erst später bemerken - wenn es fehlt.