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Schluss mit Recht auf Teilzeit? Oder nicht? Hier die Ergebnisse einer systematischen Literaturanalyse zum Thema Arbeitszeitverkürzung als Infografik,

26. Januar 2026 · 520 Wörter · Danny Walther

2023 haben Wissenschaftler des Centre for Development and Environment der Universität Bern insgesamt 30 internationale Studien zum Thema Arbeitszeitverkürzung ausgewertet. (Link)

Die Daten sind zwar nicht 1:1 auf die aktuelle, vom CDU-Wirtschaftsflügel ausgelöste Debatte um das Recht auf Teilzeitarbeit übertragbar, da Teilzeit nur eine Form von Arbeitszeitverkürzung darstellt, aber sie geben viele wertvolle Hinweise.

Die Frage der Forscher lautete: Wie wirken sich Arbeitszeitverkürzungen (z. B. 4‑Tage‑Woche oder 6‑Stunden‑Tag) sozial, ökonomisch und ökologisch aus?

Die Infografik zeigt die Ergebnisse. Ich habe sie mit Napkin AI erstellt.

Infografik (Napkin AI): „Ergebnisse einer systematischen Literaturanalyse zu sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen von Maßnahmen zur Arbeitszeitverkürzung im globalen Norden (Basis: Hanbury et al. 2023)“. Fünf gestapelte Steine: progressiver Lohnausgleich, weniger Arbeitstage, nationale Förderung, Umfang der Verkürzung und soziale Vorteile, jeweils mit kurzer Erläuterung.
Zum Vergrößern anklicken.

Die Auswertung zeigt, dass Arbeitszeitverkürzung bessere Gesundheit, weniger Stress und mehr Zufriedenheit bringt. Gleichzeitig wird deutlich, dass ökonomische und ökologische Effekte von der konkreten Ausgestaltung abhängen und mehr Forschung nötig ist.

Was die Arbeitszeitverkürzung bewirkt

Was bedeutet das konkret?

Ganz einfach: Arbeitszeitverkürzungen verbessern das subjektive Wohlbefinden, reduzieren Stress und Erschöpfung, verbessern die körperliche und mentale Gesundheit und entlasten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Die Effekte zeigen sich deutlich: Weniger emotionale Erschöpfung, weniger Konflikte auf Arbeit und in der Familie, besserer Schlaf.

Besonders Berufe mit hoher körperlicher Belastung profitieren davon. Ebenso Geringverdiener und Frauen, besonders Mütter.

Wichtig auch: Je umfangreicher die Arbeitszeitverkürzung war (z.B. mindestens 6 Stunden pro Woche), desto stärker sind die sozialen und ökologischen Effekte. Kleine Verkürzungen zeigen dagegen kaum eine Wirkung.

Wenn Arbeitszeitverkürzungen durch die Politik unterstützt werden, z.B. durch Gesetze oder Tarifverträge und in größerem Umfang umgesetzt werden, ist die Effektivität besonders hoch. Individuelle Vereinbarungen bringen dagegen wenig.

Und: Maßnahmen, die auf ganze freie Tage abzielen (z.B. 4-Tage-Woche), sind effektiver als eine Verkürzung der Tagesarbeitszeit.

Und schließlich: Ein nach Einkommen gestaffelter Lohnausgleich (voller Ausgleich für Geringverdienende, geringerer für Besserverdienende) kann soziale Nachteile vermeiden. Geringverdiener könnten sich sonst Arbeitszeitverkürzungen bzw. Teilzeit nicht leisten.

Man beachte aber: Die Studie gibt keine Werturteile ab, ob man weniger arbeiten sollte. Sie analysiert die empirischen Wirkungen verschiedener Arbeitszeitverkürzungsmodelle. Die Forscher schreiben: "Die Evidenzbasis unserer Ergebnisse ist eventuell nicht solide genug, um klare politische Empfehlungen zu rechtfertigen, aber sie gibt uns die Möglichkeit, Arbeitshypothesen zu formulieren." (S. 13, meine Übersetzung)

Genau diese "Arbeitshypothesen" habe ich mit Hilfe der Infografik dargestellt.

Was die Forschung noch klären muss

Laut den Schweizer Forschern braucht es aber noch mehr Forschung. Und zwar zu folgenden Punkten:

Vergleich mehrerer Dimensionen: Studien sollten soziale, ökonomische und ökologische Effekte gemeinsam untersuchen, um Wechselwirkungen besser zu verstehen.

Vergleich verschiedener Modelle von Arbeitszeitverkürzung: Es fehlen Studien, die verschiedene Formen und Umfänge von Arbeitszeitverkürzung vergleichen. Hier wäre Teilzeit noch genauer zu untersuchen!

Kontexte & Subgruppen analysieren: Qualifikationen, Branche und Arbeitsbedingungen beeinflussen die Wirkung. Diese Variablen müssen systematischer berücksichtigt werden.

Ökologische Effekte: Es braucht mehr Studien, die die Umweltwirkungen von Arbeitszeitverkürzungen analysieren, z. B. CO₂-Ausstoß und Konsumverhalten. Die bisherigen Daten lassen leicht positive ökologische Effekte durch Arbeitszeitverkürzung erkennen.

Begleitmaßnahmen: Mögliche Lohnkompensationen sollten mit Blick auf die Einkommenshöhe näher erforscht werden, um soziale Gerechtigkeit und ökologische Effekte besser auszubalancieren.

Zeitverwendung neben Erwerbsarbeit: Der Einfluss von Care-Arbeit u.a. oft unbezahlten Tätigkeiten muss stärker erforscht werden.

Geschlechtsspezifische Effekte analysieren: Studien sollen die Wirkung von Arbeitszeitverkürzungen bzw. Teilzeit auf Männer und Frauen getrennt untersuchen, besonders bezüglich der Karrierechancen und Care-Arbeit.

So, und jetzt darf weiterdiskutiert werden 😉

Quelle: Hanbury, H., Illien, P., Ming, E., Moser, S., Bader, C., & Neubert, S. (2023). Working less for more? A systematic review of the social, economic, and ecological effects of working time reduction policies in the global North. Sustainability: Science, Practice and Policy, 19(1). https://doi.org/10.1080/15487733.2023.2222595