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Mit KI, aber ohne Kompass. Wie Studierende an deutschen Hochschulen bei der Recherche scheitern. Teil 2: Könige und Klickzahlen

2. Oktober 2026 · 631 Wörter · Danny Walther

Eine Woche lang arbeite ich mich durch den Research Report „Zwischen Google Scholar und ChatGPT. Wie Wirtschaftsstudierende heute recherchieren“ und ordne die Ergebnisse in einen größeren Kontext sowie meine Praxiserfahrungen und Forschungen ein (Quellen siehe unten). Ziel ist es, möglichst allgemeingültige Aussagen zum Rechercheverhalten von Studierenden zu finden und einen kritischen Blick auf die Informationskompetenz an Hochschulen zu werfen.

Google, Google Scholar und ChatGPT als zentrale Zugangswege

Der Research Report zeigt: Google und Google Scholar sind noch immer die zentralen Zugangswege zur Literatur. Hinzugekommen sind Chatbots, bes. ChatGPT. Der Grund: „Diese Systeme verbinden Bekanntheit, niedrige Zugangsschwellen und ein breites Anwendungsspektrum.“ (S. 60)

Die Hochschulbibliotheken verlieren dagegen: Die teuer lizenzierten Fachdatenbanken „werden als Werkzeug deutlich seltener genutzt und sind vielen Studierenden nicht bekannt.“ (S. 4) Nicht mal 30% nutzen oft Bibliotheken. Nur gut 20% regelmäßig Fachdatenbanken.

Offizielle KI-Tools der Hochschulen: in der Studie nicht vorhanden

Auffällig: an keiner Stelle erwähnt die Studie „offizielle“ bzw. DSGVO-konforme Tools. Hawki, Academic Cloud und Co. kommen schlichtweg nicht vor bzw. werden offenbar nicht genutzt. Das deckt sich mit meinem Befund: Die offiziellen KI-Tools der Hochschulen sind tot. Sie waren nie lebendig.

ChatGPT zur Recherche: Was die Studie misst und was offen bleibt

Sehr lebendig ist dagegen ChatGPT. Fast zwei Drittel nutzen es zur Recherche, über 80% für Verständnisfragen zur Literatur. Ob ChatGPT im Deep Research Modus verwendet oder durch Plugins mit wiss. Datenbanken verbunden wird, bleibt unklar. Solche Daten wurden nicht abgefragt. Auch die Methode ist nicht immer ganz passend.

Da Google und Google Scholar gemeinsam abgefragt werden, ist unklar, wer wo genau recherchiert. Studien zeigen, dass Googles KI-Modus bzw. die KI-Antworten dazu führen, dass die Nutzer kaum noch auf Quellen klicken und der KI-Antwort vertrauen. (Die oft einfach rauskopiert wird.) Im Research Report heißt es: „Eine plausibel formulierte Antwort vermittelt leicht den Eindruck, ein Rechercheproblem sei gelöst, obwohl Quellen fehlen, unzutreffend zugeordnet oder nicht zugänglich sind.“

Das eigentliche Problem: nicht angeklickte Quellen

Diese Erklärung greift zu kurz, denn das Hauptproblem sind nicht fehlende, sondern nicht angeklickte Quellen. Auch Google Scholars „Quick Read“ macht Klicks zunehmend unwichtig.

Bei ChatGPT sind fehlende Klicks das Geschäftsmodell. Durch die KI-Antwort gibt es „‚no good reason to click‘ on a link to the underlying source“, heißt es bei OpenAI (siehe Abb.) Die Folge: „no matter how prominently we show the links, users won’t click.“

Ausschnitt aus einem Gerichtsdokument, rot markiert: Microsofts Copilot-Startseite sage, statt Links anzuklicken könne man über alles sprechen, was einen interessiert; OpenAIs Nick Turley habe dasselbe zur Browse-Funktion von ChatGPT gesagt: Sobald der Chatbot antwortet, gebe es „no good reason to click“ auf einen Link zur zugrunde liegenden Quelle.
Ausschnitt aus einem Gerichtsdokument: Sobald der Chatbot antwortet, gebe es „no good reason to click“ auf die Quelle.

Der Research Report misst Klickzahlen nicht. Solche Messungen fehlen generell für die Hochschulen. Fast alle Daten beruhen auf Selbstaussagen. Die Autorinnen sehen das Problem. „Erfasst werden die Einschätzungen der Studierenden, nicht die Wirkungen der Nutzung.“ (S. 60)

Morgen: das Nutzerverhalten

Morgen schaue ich mir das Nutzerverhalten dann genauer an.

Quellen

Hier alle im Beitrag genutzten Quellen:

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